« slowdownweek | Start | Ablauf Lernwochenende »

18. Januar 06

Cultur Jamming

Das lesen des Buches Culture Jamming von Kalle Lasn bringt mich sehr zum Nachdenken über die Rolle die uns als Jesusleute in dieser Gesellschaft zukommt. Schon im Zuge der Beschäftigung mit unserer Lebensregel sind wir schnell auf viele grundsätzliche Fragen bezüglich des Armutsgelübbdes gestossen das in allen Mönchsorden abgelegt wurde und noch heute wird. Was war Sinn und Zweck eines solches Gelübdes und welche Bedeutung und Anwendung könnte es in unserem Kontext finden? Viele Kritiker der Emerging Church führen an das die Bewegung zu wenig Gegenkultur sei und zu stark mit der postmodernen Kulturform sympathisiert. Ehrlich gesagt stelle ich mir gerade ähnliche Fragen (ohne das ich denke das die Antwort in totaler Weltfremdheit zu finden ist...) Kalle Lasn setzt sich in seinem Buch kritisch mit der alles beherrschenden heutigen Konsumkultur und der Rolle der Medien in dieser auseinander. Culture Jamming ist eine leidenschaftliche Aufforderung zum kreativen Aktivismus gegen die Besitzname öffentlicher Räume durch Industrie und Kommerz. Wir führen uns manchmal kaum vor Augen wie wir gerade leben und welche ökologischen, aber auch sozialen Folgen unser verschwenderischer Lebensstil hat. Viele Emerging Churchler scheinen Inkarnation mit dem Kauf eines ipods gleich zu setzen und definieren sich darüber das sie im Gegensatz zu ihren weltfremden Brüdern wissen was gerade hip ist und sei einen Mac besitzen. Also ihr Konsumkinder, was heisst es in dieser Welt zu leben und nicht von ihr zu sein? Was heisst es Leben die Fülle zu haben? Wie können wir einen ganzheitlichen gesunden und verantwortlichen Lebensstil vor Gott finden und glaubhaft leben? Soziale Gerechtigkeit ist christlichen Kreisen hier zu Lande kaum ein Thema. Darum kümmern sich andere... Ist es uns einfach Scheissegal das unsere Nikeschuhe von Kindern sonst wo für einen Hungerlohn zusammengenäht werden? Wie können wir denken das wir dann Anderen glaubhaft von der Liebe Gottes erzählen können wenn wir so gleichgültig sind? Und wieder stellen wir uns die Frage: WWJD? Er war nicht Gleichgültig! Er konfrontierte Ungerechtigkeit... gewaltlos aber nicht nett. Vielleicht machen die Jungs um Kalle Lasn auch nichts anderes, sie erzählen Gleichnisse und fordern Leute heraus nachzudenken und sich zu hinterfragen... Und was denkt ihr?

Kommentare

Meine Gedanken dazu wurden immer länger und länger, und so habe ich den Kommentar in mein Blog geschrieben… siehe http://christian.web42.com/de/archives/000053.html

Ich denke wir haben sehr hohe Standarts und Erwartungen an unsere Leben. Unser Wohlergehen und unsere Bequemlichkeit stehen sehr hoch auf unserer persönlichen Werteskala, bei mir zumindest. Auch sind wir sehr von unserer Kultur vereinnahmt, was den Lebenstil angeht. Wenn ich mir dagegen Jesus anschaue, dann muss ich da ganz schön schlucken, seine höchste Priorität war absolut alles zu geben, damit wir alles bekommen (Phil3). Seine Motivation war Liebe, die nicht durch ein Armutsversprechen ersetztbar ist. Ich bete, dass wir immer mehr diese Liebe offenbart bekommen, die Gott uns ja schon in die Herzen ausgegossen hat und sie leben lernen. Und dass wir immer mehr erkennen, dass wir eigentlich nichts anders verdient hätten, als die ewige Verdammnis (kein gemütliches Leben,...), alles was darüber hinausgeht ist Gnade - jeder Atemzug. Ich hoffe, dass sich mit diesen beiden Erkenntnissen das Streben nach Materiellem etwas relativiert.
Es hört sich vielleicht dumm an, aber ich glaube auch, dass wir wieder neu verstehen müssen, was es heißt, wenn Paulus zu Thimoteus ganz klar sagt, dass Leiden als Christ "Buissnes as usual" ist. Ich bin keine Masochist, ganz und gar nicht, aber bete für ein christliche Gegenkultur in der Kultur, nicht irgendwo hinter frommen Mauern, sondern mitten drin und das wird bestimmt nicht gemütlich, weil wir eben eine zu krasse Botschaft haben, an der sich die Geister scheiden.
Segen!

Erstmal Danke für eure Comments...
an JP...
es geht nicht darum Liebe durch ein Armutsversprechen zu ersetzten. Es geht darum Nachfolge konkret zu machen, das ist die Idee hinter dem Lebensregelansatz. Wenn wir dabei nicht von Liebe zu Gott motiviert sind und uns bewusst sind das wir aus Gnade leben können wir sowieso nach Hause gehen... Aber die Frage ist wie werden wir konkret in unserem Handeln als Jünger. Wir sind gut im Erklären von Absichten und im Verfassen von allgemeinen Erklärungen, aber was heisst Nachfolge konkret und ganzheitlich praktisch in unserer Gesellschaft. Bei den Gedanken um ein neues Mönchtum geht es genau darum, sich mit Anderen zu einem bestimmten Lebensstil zu verpflichten und diesen konkret zu benennen und so überprüfbar zu machen. Das könnte im Sinne eine "Armutsgelübbdes" auch bedeuten Geld und Besitz nicht als Privatsache anzusehen sondern zur Diskusion zu stellen und bewusst zu begrenzen, oder darüberhinaus nach Möglichekeit nur Produkte zu konsumieren die Anderen keinen Schaden zufügen oder deren Herstellung die Umwelt nicht nachhaltig belastet. Ich denke wir müssen gerade in unsere Gesellschaft ganzheitlich Lebenskonzepte entwickeln die "Leben in Fülle" demonstrieren, und Erlösung nicht nur geistlicher bzw. jenseitiger Perspektive deuten (ohne natürlcih die Wichtigkeit dieser zu hinterfragen, es geht um Ergänzung und Ganzheitlichkeit).

Konsum ist für mich ein Ausdruck der Passivität. Im Gegensatz zum bewußten Selektieren. Ich persönlich versuche ein Leben zu führen, in dem ich selektiere, anstatt konsumiere.
Und ich selektiere eben, wenn ich mir die Mühe mache, fair gehandelte Produkte zu suchen und zu kaufen, mich über Geschäftspraktiken von Unternehmen informiere, um zu selektieren, was ich kaufe.
In der Welt, aber nicht von der Welt zu sein bedeutet für mich: Selektion statt Konsum.

Ich finde es zunächst einmal sehr cool, Mark, dass Du Dir solche Gedanken machst...

Mehrere Gedanken habe ich dazu.
-Ich denke, dass es hier sehr stark um Verantwortungsbewusstsein und Respekt geht. Der Umwelt, meinen Mitmenschen und auch mir selbst gegenüber. In Verantwortung steckt das Wörtchen Antwort, vielleicht eine, die wir geben können..

- Kultur wird ja auch u.a. folgendermaßen definiert: Als Schutz für den Menschen vor seinen Trieben... Diesen Ansatz finde ich interessant, wenn es darum geht, eine Regel zu erstellen und darin zu leben.. Denn sie gibt Sicherheit, wo sie unsere "Kultur" nicht mehr bieten kann..
(ich weiß, dass ist sehr theoretisch)....

Danke für deine Antwort, Mark.
Ich denke, der Möchtums-Ansatz ist eine sehr coole Sache und bin ein absoluter Fan von "modernen Klöstern". Es ist auch super sich verbindlich zu machen und hilfreich sich zu ganz klare "Lebensreglen" zu setzten - Zinzendorfmäßig. Ich hab das Armutsgelübde zu sehr in einem falschen "gesetzlichen" Kontext verstanden.
Ich bin echt gespannt, wie es bei euch weiter geht!

Die eigentliche Provokation einer Hingabe an Jesus besteht darin, dass diese Hingabe zwangsläufig eine Hingabe an diese Welt ist. Jesus hat mit seinem Kommen, seiner Inkarnation genau diese Trennung zw. sakral und profan aufgehoben. Natürlich nicht, um dem Profanen, der Welt mehr Platz einzuräumen, sondern um in dieser, seiner geliebten Welt einen Ort zu errichten, der für diese Welt eine "Heilanstalt" sein kann - seinen Leib.

Das Reich Gottes ist zugleich und es kommt erst noch. Aber indem wir dass, was erst noch kommt, das was vor unserem unsichtbaren Auge sich als "der zu erwartende Himmel" auftut, schon für das Jetzt verlangen und anstreben, sind wir Provokation in dieser Welt und für diese Welt. "Für" nicht nur in dem Sinne, dass man als Provokation wahr genommen wird, sondern viel mehr in dem Sinn, der Ziel- und Ausrichtung. (Das man mit dieser Jesusnachfolge mindestens genauso schnell zur Provokation innerhalb des Reiches Gottes wird, ist [leider] genauso Tatsache.)

So bindet einen das notwendige "Gelübde für Jesus" in eine provozierende, aber 'weltliebende' Nachfolge ein. Der Himmel gehört auf die Erde, sonst nehmen wir die Inkarnation Gottes nicht ernst. Aber auch: Es gibt eine Grund für Jesu Inkarnation: die Veränderung, Rettung dieser Welt zu Gott hin.

Danke für die vielen Kommentare Leute... Sehr cool das sich gerade noch viele Andere ähnliche Gedanken machen...

Mehr über Culture Jamming auf http://www.culture-jamming.de !

Überprüfen Sie Ihren Kommentar

Kommentarvorschau

Das ist eine Vorschau. Ihr Kommentar wurde noch nicht veröffentlicht.

Arbeite...
Ihr Kommentar konnte nicht veröffentlicht werden. Folgender Fehler trat auf:
Ihr Kommentar wurde veröffentlicht. Einen weiteren Kommentar schreiben

Der angegebene Code ist nicht korrekt. Bitte versuchen Sie es erneut.

Geben Sie bitte abschließend die Buchstaben und Ziffern ein, die Sie in folgendem Bild erkennen. Damit wird verhindert, daß automatisierte Programme Kommentare abgeben können.

Bild nicht lesbar? Anderes anzeigen.

Arbeite...

Kommentar schreiben