Gottesdienst: Armut Keuschheit Gehorsam
Bevor in ein paar Stunden schon wieder der nächste Gottesdienst startet hier nochmal schnell die etwas lange Beschreibung des letzeten Gottesdienstes: Als Einstieg zu unserm Lernwochenende gab am Freitag einen Gottesdienst der sich mit den traditionellen Mönchsgelübden Armut Keuschheit und Gehorsam beschäftigte. Ihnen wurde zu Beginn des abends anhand eines Textes von Kalle Lasn der Traum der westlichen Kulturen von Geld, Sex und Macht gegenübergestellt. Der abend stand unter der Frage wie wir eine Gegenkultur zu dieser westlichen Konsumkultur schaffen können, bzw. was wir vom radikalen Gelübde der Mönche für unseren Umgang mit Geld oder Besitz, Beziehung, Sex und Macht lernen können. Nach ein paar erklärenden Worten widmete sich der Abend dann in drei Teilen, jeweils den drei Gelübden:
1. Teil ARMUT
Auf eine Lesung der Geschichte vom "Reichen Jüngling" aus Matthäus 19 folgte ein Zitat von Erich Fromm:
„Die Welt ist nur noch da zur Befriedigung unseres Appetis, sie ist ein riesiger Apfel, eine riesige Flasche, eine rieseige Brust, und wir sind die Säuglinge die ewig auf etwas warten, ewig auf etwas hoffen und ewig enttäuscht werden. Unser Charakter ist darauf eingestellt, zu tauschen und Dinge in Empfang zu nehmen, zu handeln und zu konsumieren. Alles und jedes – geistige wie materielle Dinge – werden zu Objekten des Tausches und des Konsums.“
Im Anschluß daran setzten wir uns mit unseren materiellen Wünschen bzw. unserem Konsum auseinander. Auf Luftballons konnte man Wünsche schreiben die uns gerade beherrschen und in denen wir Leben zu finden hoffen. Während des Nachdenkens über unsere kleinen und Grossen Träume und ihre meist leeren Versprechungen gab es thematisch passend Visuals und Poetry...
Hatte man seinen Wunsch identifiziert und auf den Luftballon geschrieben, konnte man diesen dann an einer Heliumflasche aufblasen und sich dabei seine Geschichte vor Augen führen. Als Bekenntnis vor Gott und den Menschen war man dann dazu aufgerufen den Ballon ans Handgelenk zu binden und über unserem Leben schweben zu lassen. Es folgten ein paar Grundinformationen über das Gelübde der Armut. Danach waren alle aufgefordert über den radikalen Lebensstil der Mönche nachzudenken und als Akt des Gebets den Wunschluftballon mit einem Reisszwecken platzen zu lassen.
2. Teil KEUSCHHEIT
Der Einstieg in das Thema waren 4 Geschichten von jungen Menschen die ihren Bezug zu Körperlichkeit, Beziehung und Sex durch ein verdrehtes Schönheitsideal in Medien und Gesellschaft verloren haben. Passend dazu gab es Visuals zum Thema Körperkult und Sex. Anschliessend war man aufgefordert das eigene Bild von Schönheit bzw. das Verhältnis zum eigenen Körper zu reflektieren. Mit roten Punkten konnte man dann persönliche Problemzonen mit farbigen Klebepunkten als Makel kennzeichnen.
Es folgte ein kurzer Input über das Gelübde der Keuschheit in den verschiedenen Mönchsorden. Danach war man in Anlehnung an Epheser 4, 22 - 24 dazu aufgefordert seinen neuen Menschen anzuziehen und sich neu als Gottes geliebtes und angenommenes Geschöpf zu begreifen. Um dies zu verbildlichen erhielt jeder einen grünen Papiermantel (auch als Anspielung auf die "Mönchskutte"). Da wir mit unseren verdrehten Vorstellungen von Schönheit, Beziehung und Sex aber nicht nur uns selber schaden, sondern auch anderen gab es zum Abschluss als Akt des Bekenntnisses Aufkleber mit der Aufschrift "gleichschön", mit denen man einem anderen Menschen symbolisch für Andere, Wert unabhängig von Schönheitsidealen usw. zusprechen konnte.
3. Teil GEHORSAM
Das Thema wurde mit einem Text über die Diktatur des Indivuduums in unserer Gesellschaft eingeleitet. In Zeiten von pluralisierten Wert- und Normvorstellungen wird der Masstab für Richtig und Falsch das individuelle Empfinden. Um dies zu verdeutlichen bekam jeder einen kleinen Handspiegel mit der Aufschrift "Ich". Während der folgenden Meditation über unsere Ichbezogenheit war man dann dazu aufgefordert das Geschehen durch seinen Spiegel zu betrachten. Danach folgte ein freier Input über das Gelübde des Gehorsams. Danach wurde kurz dargestellt das Gott sich wünscht das wir von uns weg auf den Anderen schauen und mit Gottes selbstloser Liebe eine Egokranke Welt zu erhellen. Als Bild dafür wurde dann der Raum verdunkelt und man hatte die Aufgabe Licht von einer Lampe in einem Ende des Cafes, durch ein weiterleiten des Lichtstrahls von Handspiegel zu Handspiegel, auf einen Globus am anderen Ende des Raumes zu transportieren.









Ich finde das schwer beeindruckend, was Ihr da macht! Reschpekt und Gottes Segen!
Kommentiert von: Andreas | 04. Februar 06 at 10:52 Uhr
Nicht nur beeindruckend, sondern auch mehr als mutig. Ich weiß nicht, ob ich es in diesem Gottesdienst ausgehalten hätte. Ehrlich...
Ich finde es sehr stark von Euch, an solche Themen so intensiv und tief ranzugehen.
Kommentiert von: Josha | 04. Februar 06 at 12:00 Uhr
Vorab es war ein eindrucksvoller , großartiger und kurzweiliger Gottesdienst der mir sehr gut gefallen hat und an dem ich Gott intensiv gespürt habe.
Jetzt nur ein paar kleine Anmerkungen :
- die Klebepunkte waren grün
- das mit den Spiegeln hätte im Prinzip auch mit drei Spiegeln funktioniert es war aber trotzdem lustig mitanzusehen wie alle versucht habe mitzuhelfen
- die Kutte war mir zu klein
Kommentiert von: Stefan | 04. Februar 06 at 18:17 Uhr
Ich fand ihn auch richtig gut...
Kommentiert von: schneewittchen | 05. Februar 06 at 15:25 Uhr
Gratulation:
Mich interessiert auch der Ablauf der Gottesdienste zu diesen Themen.
Danke für Ihre Mühewaltung.
Kommentiert von: P.Rhetorius | 11. Januar 09 at 19:02 Uhr