Was ist eigentlich das Neue am "Neuen Mönchtum"?
"Die Restauration der Kirche kommt gewiss aus einer Art neuen Mönchtums" Bonhoeffer
Lese gerade Jonathan Wilson Hartgroves neues Buch „New Monasticism“ und bin ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht. Hatte ne Menge Rezensionen gelesen und alle waren sehr positiv über das Büchlein. Nicht das es jetzt total schlecht wäre, aber wirklich Neues habe ich darin nicht gefunden. Natürlich, ein gutes Buch um das evangelikale Amerika ein bisschen nervös zu machen, aber ansonsten... Hoffentlich überrascht er ja noch auf den verbleibenden Seiten. Generell taucht für mich die Frage auf was denn genau das Neue am New Monasticism ist? Die typische Antworten auf diese Fragen beziehen sich meist auf die Praxis des Zusammenlebens (z.B. Laiengemeinschaft, keine Gelübde auf die evangelischen Räte, Integration von Verheirateten, kein Habit, etc.) , machen meiner Meinung nach aber nicht wirklich Sinn. Wenn man sich nämlich ein bisschen umschaut entdeckt man neben den 3. Orden, auf evangelischer wie katholischer Seite eine Vielzahl an Kommunitäten, Säkularinstituten und Bruderschaften die das wovon da geschrieben wird seit langer (manche auch erst seit kürzerer) Zeit umsetzen und sich auch immer wieder selbst ein Stück weit erneuern. Wie wäre es also sich nicht abzugrenzen sondern respektvoll über den Tellerrand zu schauen, zu lernen und im Austausch zu stehen?. Ich für meinen Teil empfinde jedenfalls mittlerweile schon allein das zum Teil benutzte Vokabular ziemlich schwierig: Orden, Regel, Mönchtum... wir sollten uns immer vor Augen führen das auf der anderen Seite der Waagschale ein paar tausend Jahre Kirchengeschichte und ein sehr radikaler Weg der Nochfolge stehen. Worin seht ihr das „Neue“ am „Neuen Mönchtum“ ?

Bin auch gerade am Lesen und ebenfalls enttäuscht, wenigstens von den ersten 80Seiten. Muss gleich an die Arbeit, darum zu deinen Fragen später mehr...
Kommentiert von: Mike B. | 08. Juli 08 at 06:44 Uhr
Ich hab mir das Buch auch aufgrund der guten Rezensionen gekauft aber noch nicht gelesen ...
Deine Anfrage kann ich voll teilen. Was mir z.B. auch zu denken gibt, ist die dem Mönchtum (v.a. dem iro-schottischen) zu eigene strenge Askese, von der ich bisher noch nicht sehr viel in neu-monastischen Aufschrieben gelesen habe (vielleicht ist das bei Hartgroves anders).
Manchmal ist man doch sehr verführt sich die Rosinen aus dem Kuchen rauszupicken ... nicht dass ich es nicht für sinnvoll erachte die ein oder vertrocknete Stelle auf dem Teller liegen zu lassen, aber etwas Hefezopf zu nennen, wenn es doch eigentlich Rotweinkuchen ist, halte ich nicht für redlich.
Bevor sich die Metaphorik noch weiter verselbstständigt sende ich Grüße an dich und deine Familie.
Kommentiert von: Herzton | 08. Juli 08 at 14:25 Uhr
Ich melde mich nochmals...habe heute frei und darum mehr Zeit. Ich frage mich, warum muss es überhaupt "neu" sei. Auch vieles, was unter dem Label "Emerging church" abgeht, ist nicht wirklich neu. Aber manchmal scheint es so, dass etwas, das als neu bezeichnet wird, halt mehr Aufmerksamkeit ergattert. Wie du richtig schreibst, gibt es Gemeinschaften (auch hier bei uns), die schon lange, vielleicht wenig medienwirksam) leben, was nun bei anderen nun als "Neues Mönchtum" verkauft wird.
Mit einer Schar von Freunde sind wir im Moment selber daran, diesen Fragen nachzugehen und sie für uns zu klären. Als Arbeitsbegriff verwenden wir auch den Namen "Kloster", "Stadtkloster", wissen aber noch nicht, ob wir diese Begriffe tatsächlich auch verwenden wollen. Diese Diskussion fehlt mir bei Wilson-Hartgrove völlig. Werde selber mal noch über das Buch ".posten"
Kommentiert von: Mike B. | 10. Juli 08 at 12:41 Uhr
wollte mir das buch auch besorgen. ich kann deine kommentare zu dem thema voll nachvollziehen, mark! die begriffe "mönchtum", "kloster" etc. verwenden wir hier auch nicht mehr. uns ging es am anfang ein wenig wie einem bayern, der in den norden fährt: also erstmal richtung küste. auf dem weg merkt man, dass es zwischen bayern und küste noch sehr viel mehr gibt und man vielleicht gar nicht bis zur küste kommt/kommen kann. "mönchtum" ist so für mich der ferne horizont, den ich von meinem standpunkt aus gesehen habe. jetzt, auf dem weg, merke ich, das man das auf alle fälle differenzieren muss!
freue mich, mit dir am wochenende zu reden!! ie "radikale nachfolge nach der bergpredigt" - mit der bonhoeffer dieses neue mönchtum definierte, ist nach wie vor mein heisses sehnsüchtiges ziel. den bessten berater, dieses ziel zu erreichen, habe ich momentan nur im mönchtum und kommunitären leben gefunden - auch wenn es bei mir anders aussehen wird. aber der weg ist noch sehr lang.
Kommentiert von: markus | 11. Juli 08 at 10:21 Uhr
Ich finde, das Neue gegenüber den Kommunitäten des 20. Jahrhunderts ist, dass diese Gruppen sich an sozialen Brennpunkten in den Innenstädten niederlassen statt irgendwo auf dem Land.
Bei der Selbstbezeichnung benutzen sie "Kloster" ja kaum, sondern sprechen nur von communities. Ist wohl auch besser so.
Der Umgang mit der Geschichte ist leider wieder mal amerikanisch-selektiv. Sonst könnte man Bernhard von Clairvaux nicht für das "Peace Corps" reklamieren, bei allem, was der für die Kreuzzüge getan hat :-(
Kommentiert von: Peter | 13. Juli 08 at 17:16 Uhr
Vielen Dank für eure Kommentare. Interessant das viele das ähnlich empfinden, hängt bestimmt auch damit zusammen das das Mönchtum bzw. seine Wirkung in unserer Kultur viel greifbarer ist als in den USA. Meine Sehnsucht ist das wir im Bezug auf dieses Thema ganz bewußt den Austausch mit den traditionellen Strukturen suchen und uns mit einem gewißen Respekt auf diese Reise begeben. Bestimmt gibt es auch Dinge die wir dann an den Tisch bringen können und dürfen, die hätten dann vielleicht manchmal den Titel "Neu" verdient.
@Peter... Für die Geschichte der evangelischen Kommunitäten die in den letzten Jahren gegründet wurden mag es neu sein sich in sozialen Brennpunkten anzusiedeln. Die Frage ist allerdings was das für unseren Kontext heißt. Die Armut hier ist eine Andere wie in den USA. Sie ist manchmal vielleicht ein bisschen durch unseren Sozialstaat verdeckt oder lokalisiert sich anders. Ein sozialer Brennpunkt muß eben nicht in Berlin liegen sondern vielleicht auch in irgendeinen Kaff in Sachsen . Ich finde also nicht das "urbaner Kontext" immer Sinn macht. Außerdem wäre es doch super wenn neue Kommunitäten entstehen die sich bewußt auf Kontemplation und Gebet konzentrieren und in diesem Bereich Impulse setzen.
Kommentiert von: Mark | 15. Juli 08 at 15:49 Uhr